Cyberangriffe auf Kommunen gehören zum Alltag. Dennoch unterschätzen viele Verantwortliche die Bedrohungslage. Veraltete Systeme, Fachkräftemangel und knappe Budgets machen kommunale IT-Landschaften besonders anfällig.
Es kann jede Kommune treffen. Daher muss besondere Aufmerksamkeit auf IT-Sicherheit liegen.
Was haben Kommunen in ganz Deutschland gemeinsam – unabhängig von Größe, Struktur oder Bundesland? Immer mehr Städte, Landkreise und Gemeinden fallen Cyberangriffen zum Opfer. Die Liste bekannter Fälle ist lang – etwa der Bodenseekreis, der Landkreis Vorpommern-Rügen sowie die Städte Fürth und Essen. Solche Vorfälle sind längst keine Ausnahmen mehr, sondern spiegeln eine kritische Entwicklung wider: Die IT-Infrastrukturen kommunaler Einrichtungen stehen zunehmend im Fadenkreuz professioneller Angreifer.
Das wirft zentrale Fragen auf: Wo liegen die größten Schwachstellen in kommunalen IT-Landschaften? Und welche Strategien sind notwendig, um die IT-Sicherheit nachhaltig zu stärken? Gemeinsam mit Statista und brand eins hat das IT-Sicherheitsunternehmen G Data Cyberdefense im Rahmen der repräsentativen Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ mehr als 300 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst befragt – mit eindeutigen Ergebnissen.
Gefährdung unterschätzt: Wahrnehmung und Wirklichkeit klaffen auseinander
Trotz der zunehmenden Bedrohungslage halten 50 Prozent aller Befragten das Risiko eines Cyberangriffs auf ihre Einrichtung für gering oder sehr gering. Besonders eklatant: In Kommunalverwaltungen sind es sogar 59 Prozent – obwohl gerade sie nachweislich betroffen sind. Zum Vergleich: Im Bereich Telekommunikation und Information schätzen nur 42 Prozent das Risiko als niedrig ein. Diese Diskrepanz zwischen subjektiver Risikoeinschätzung und realer Gefährdungslage ist problematisch. Jede Behörde, jede Dienststelle und jeder Angestellte kann Ziel eines Angriffs werden. Daraus ergibt sich eine klare Verantwortung für IT-Leitungen: Die Förderung von Security Awareness in der gesamten Organisation muss zur strategischen Priorität werden. Nur wer die Bedrohung versteht, kann geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen und eine widerstandsfähige Sicherheitsarchitektur etablieren.
Cyberangriffe sind längst Teil des Verwaltungsalltags
Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) berichtet, selbst von einem Angriff betroffen gewesen zu sein oder entsprechende Vorfälle im direkten Umfeld erlebt zu haben. Die Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger sind konkret spürbar – etwa durch ausgefallene Services, verzögerte Auszahlungen von Sozialleistungen oder langfristige Einschränkungen durch Systemausfälle.
Ein zentrales Problem kommunaler IT bleibt die technische Infrastruktur. Nur 40 Prozent der Befragten bewerten den Zustand ihrer IT-Systeme als modern und gepflegt. 25 Prozent beschreiben sie als veraltet, aber noch funktionstüchtig. Und gerade in heterogenen IT-Landschaften mit gewachsenen Strukturen und begrenzten Ressourcen ist die kontinuierliche Wartung und Modernisierung eine Herausforderung. Veraltete Systeme mit offenen Sicherheitslücken bieten potenziellen Angreifern ein leichtes Ziel. Insbesondere dann, wenn Sicherheitsupdates fehlen oder alternative Schutzmechanismen nicht implementiert wurden.
Kommunale IT-Abteilungen müssen verschiedene Herausforderungen gleichzeitig lösen. Die drei größten Hürden für kommunale IT-Abteilungen sind laut Studie der Fachkräftemangel (22 Prozent), veraltete Technik (18 Prozent) und begrenzte Budgets (15 Prozent). Diese Engpässe sind nicht neu, gewinnen aber an Brisanz. IT-Sicherheit darf also nicht länger als optionales Upgrade verstanden werden – sie ist Grundvoraussetzung für handlungsfähige Verwaltungen. Und bisher vollzieht sich der Wandel hin zu mehr IT-Sicherheit eher langsam – in einigen Fällen auch sicher zu langsam.
Zur Studie
Mehr als 5.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland wurden im Rahmen einer repräsentativen Online-Studie zur Cybersicherheit im beruflichen und privaten Kontext befragt. Die Fachleute von Statista haben die Befragung eng begleitet und konnten dank einer Stichprobengröße, die über dem branchenüblichen Standard liegt, belastbare und valide Marktforschungsergebnisse im Magazin „Cybersicherheit in Zahlen“ präsentieren. Darüber hinaus haben die Marktforscher Zahlen, Daten und Fakten aus mehr als 300 Statistiken zu einem umfassenden Nachschlagewerk der IT-Sicherheit zusammengeführt.
Einen positiven Trend offenbart die Umfrage: Immer mehr Kommunen setzen auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten IT-Sicherheitsdienstleistern. Die Pluspunkte liegen dabei klar auf der Hand. Jede und jeder Zweite sieht einen Vorteil in der Steigerung des Sicherheitsniveaus durch professionelle Lösungen. Mehr als 40 Prozent nennen den Zugang zu spezialisiertem Fachwissen (41 Prozent) als wichtigsten Aspekt. Die Entlastung interner Ressourcen sehen 35 Prozent als Vorteil und 25 Prozent erhoffen sich eine konkrete Unterstützung bei der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Gerade bei limitierten personellen und finanziellen Mitteln kann externe Expertise helfen, Sicherheitslücken gezielt zu schließen und regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen.
Fazit: IT-Sicherheit als strategische Aufgabe begreifen
Die Umfrage belegt: Die Risiken für kommunale IT-Infrastrukturen nehmen zu – ebenso wie die Anforderungen an strategische Resilienz. Gleichzeitig stehen wirkungsvolle Hebel zur Verfügung: Investitionen in moderne Systeme, der Ausbau von Security Awareness sowie die gezielte Zusammenarbeit mit externen Partnern. Für Entscheiderinnen und Entscheider in Bund, Ländern und Kommunen bedeutet das: IT-Sicherheit muss als integraler Bestandteil der Verwaltungsmodernisierung verstanden werden und nicht als isoliertes Technikthema. Nur wer jetzt handelt, schützt künftig nicht nur Daten, sondern stärkt auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in eine funktionierende öffentliche Verwaltung.
Stand: 08.12.2025
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